Großer Erfolg für die Geschichtswerkstatt

Landessieger im Geschichtswettbewerb

 

(Bod) Der Beitrag der AG „Geschichtswerkstatt" der Wilhelm-Kaisen-Schule zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist mit dem Titel „Landessieger" ausgezeichnet worden. Unter 43 eingereichten Arbeiten bekamen 5 diesen Titel. Die WKS musste sich dabei gegen starke Konkurrenz von Oberstufen und Gymnasien durchsetzen. Am 21. Juni sind alle Schüler und Tutoren ins Staatsarchiv zu einer Feier eingeladen, um von der Bildungssenatorin ihre Urkunden überreicht zu bekommen.

Der Wettbewerb stand unter dem Motto „Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte." Der WKS- Beitrag trug den Titel „Das Skandal-Urteil gegen die Mörder von Heinrich Rosenblum." Mitwirkende waren: Mehdi Aytekin, Yaroslava Boriskina, Andrea Nogueira Correia (8s), Pascal Harbart, Lorenz Großkopf (9s), Nils Monsees, Mustafa Aytekin und Mana Sabet aus der 10 b.

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Heinrich Rosenblum war ein Jude, der ein Altwarengeschäft in der Thedinghauser Straße führte. In der Reichspogromnacht wurde er von 2 SA- Leuten ermordet. Sie betrieben eine Bäckerei in der Yorckstraße. Die Mörder wurden 1947 vor Gericht gestellt und zu einer relativ geringen Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil gab es vielfältige Proteste in Bremen, z. B. eine Arbeitsniederlegung von 5 Minuten in allen Bremer Großbetrieben, an der 50 000 Menschen teilgenommen haben, und eine Massendemonstration auf dem Domshof.

Die Geschichtswerkstatt lädt alle Schüler, Eltern und Lehrer, die sich für ihre Arbeit interessieren, zu einer Ausstellung ihrer Arbeit und einer szenischen Lesung der Gerichtsverhandlung gegen die Mörder ein. Termin: 29. Juni, 18.30 Uhr in der Aula der WKS.

 

Ausgezeichnete Bremer Skandalgeschichten

Von Anke Velten, Weserkurier online

Grund, sich aufzuregen, gab es in Bremen schon immer genug. Zum Beispiel über den "Engel von Bremen". Gesche Gottfried, die sich so tapfer und rührend um ihre dahinsiechenden Verwandten und Freunde gekümmert hatte. Wer hätte geahnt, dass sie sogar kleine Kinder vergiftete? Oder über das haarsträubende Gerichtsurteil, das mit zwei mörderischen Nazi-Brüdern lächerlich milde umging. Über Verbrechen, Fehlurteile, Wirtschaftskriminalität, Spitzeleien, Machtdemonstrationen der Obrigkeit, skrupellose Zeitgenossen und ähnliche Aufreger lassen sich auch in Bremen ganze Abhandlungen schreiben.

125 Bremer Schülerinnen und Schüler haben genau das getan. Die besten von ihnen hatten jetzt erfreulichen Grund zur Aufregung: Sie wurden am Dienstagabend im Staatsarchiv Bremen von der Bremer Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper, Vertretern der Körber-Stiftung sowie den Experten der Fachjury mit einer feierlichen Preisverleihung geehrt.

Zum 22. Mal wurde im vergangenen September von der Körber-Stiftung zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ausgerufen. Dem Thema "Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte" galt es, vor Ort nachzugehen, in Bibliotheken und Archiven zu recherchieren, Experten und, wenn möglich, Zeitzeugen zu befragen. Die Körber-Stiftung hielt 16 der insgesamt 43 Bremer Arbeiten für ausgezeichnet. Die fünf Arbeiten, die als Landessieger ausgewählt wurden, werden mit je 250 Euro belohnt; ihre Verfasser werden im November zum Bundespräsidenten nach Berlin fahren. Für elf Arbeiten gab es Förderpreise und jeweils 100 Euro. Und die Oberschule Findorff, aus der in diesem Jahr zwei Landessieger und drei Förderpreise hervorgingen, erhielt für diese Leistung den erstmals vergebenen Preis als "Landesbeste Schule".

Ein Verbrechen aus der Reichsprogromnacht beschäftigte schließlich die Geschichts-AG der Wilhelm-Kaisen-Schule: Die Ermordung des jüdischen Kaufmannes Heinrich Rosenblum am 10. 11. 1938 in seinem Wohnhaus in der Thedinghuser Straße. Erst im Jahr 1947 wurden die beiden SA-Männer, ein Brüderpaar, zur Rechenschaft gezogen. Das Gerichtsurteil war der eigentliche Skandal: Gegen die Gefängnisstrafe von wenigen Jahren für die Auftragsmörder, denen eine "Bewusstseinsstörung" als mildernder Umstand zugute gehalten wurde, begehrte man in Bremen seinerzeit auf. Fast 50000 Demonstranten trugen dazu bei, ein Revisionsverfahren zu erwirken. Die Jury begeisterte sich für die "fesselnde, lesenswerte, lebendige Dramaturgie" und die dennoch durchweg sachliche Darstellung. Die Geschichts-AG setzte sich aus Schülern des 8. bis 10. Jahrgangs der Schule zusammen - namentlich Andrea Filipa Nogueira Correia, Yaroslava Boriskina, Nils Monsees, Lorenz Großkopf, Pascal Harbart, Mehdi Aytekin, Mustafa Aytekin und Mana Sabet-Daylami.

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Seit 1973 wird alle zwei Jahre und zu wechselnden Themen zum Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten aufgerufen. Initiatoren waren Bundespräsident Gustav Heinemann und der Hamburger Unternehmer Kurt A. Körber. Sie wollten junge Menschen zur Auseinandersetzung mit den demokratischen Traditionen der deutschen Geschichte anregen und legten damit die Grundlage für den größten historischen Forschungswettbewerb junger Menschen in Deutschland. Ein zukunftsträchtiges Projekt auch für die Teilnehmer: "Viele Chefredakteure, Professoren und Unternehmensführer" seien im Laufe der Zeit aus dem Wettbewerb hervorgegangen, sagte Dr. Klaus Wehmeier, der stellvertretende Vorsitzende der Körber-Stiftung, bei der Preisverleihung. Am Wettbewerb 2010/2011 hatten sich bundesweit etwa 3000 Kinder und Jugendliche mit rund 1150 Arbeiten beteiligt. Am 1. September 2012 startet der 23. Wettbewerb.

Informationen im Internet unter www.koerber-stiftung.de.