Philosophisches im Powerpack

Gut ausgerüstet mit Laptop, Beamer und Verlängerungsschnur erschien früh am Montagmorgen Herr Parzany vom Hilfswerk wortundtat im Teppichraum, um mithilfe von Bildern und kleinen Filmen einen anschaulichen Einblick in die Arbeit seiner weltumspannenden Hilfsorganisation zu geben. Die Schüler des Profil 4 („Interkulturelles Lernen“) des sechsten Jahrgangs sowie die siebte Klasse von Frau von Heereman erfuhren, dass es für Kinder ihres Alters keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist, zur Schule gehen zu dürfen. Manche arbeiten schon im zarten Alter von sechs unter menschenunwürdigen Bedingungen in den Steinbrüchen von Andra Pradesh im Südosten Indiens. Die Begegnung mit Leprakranken führte bei Dr. Deichmann zu dem Wunsch etwas zu tun, um deren Not zu lindern. So begann er mithilfe einheimischer Fachkräfte Krankenhäuser und Schulen aufzubauen. Diese Arbeit führte er im tansanischen Busch fort, und schließlich auch in Europa, dessen Armenhaus Moldawien oder Republik Moldau heißt.

„Warum sieht man in Moldawien keine Menschen im Alter zwischen 18 und 55?“ Die Antwort ist so einfach wie bedrückend: „Da es überhaupt keine Arbeit gibt, gehen alle jungen Erwachsenen ins Ausland, um dort zu arbeiten und Geld für die Kinder und die Großeltern nach Hause schicken zu können.“ Auf diese Weise wachsen die meisten Kinder mit Eltern auf, die sie kaum einmal zu Gesicht bekommen.

„Woher bekommt denn wortundtat all das Geld, um diese vielen Hilfsmaßnahmen durchführen zu können?“ – „Bekommt das Hilfswerk Geld, wenn man den LIKE-Button bei Facebook anklickt?“, möchten mehrere Schüler wissen. Herr Parzany erläutert, dass die Familie Deichmann sehr wohlhabend ist und deshalb finanziell in der Lage war, eine Stiftung zu gründen. Dort gehen Spendengelder von Firmen und Privatleuten ein, aber längst nicht so viele, wie es wären, wenn für wortundtat z.B. im Fernsehen Werbung gemacht würde. Über den LIKE-Button gebe es keine Gelder, aber die Zahl der Menschen, die von wortundtat erfahren, vergrößere sich dadurch.

„Der Nachteil an Werbung sind die hohen Kosten dafür“, betont Herr Parzany. Die Organisation wortundtat hat keine Verwaltungskosten, ein Posten, der bei anderen gemeinnützigen Organisationen 20 bis 40 Prozent der Spendeneinnahmen schluckt. Die Verwaltungsausgaben trägt die Familie Deichmann, indem sie z.B. Herrn Parzany, der als Angestellter der Firma für den Fuhrpark zuständig ist, für seine Reisen zu den Projekten in Indien, Tansania oder Südosteuropa sowie Informationsreisen innerhalb Deutschlands freistellt.

Wie lassen sich zwei Vollzeitberufe mit dem Familienleben unter einen Hut bekommen? Herr Parzany wirkt nachdenklich. „Zum Glück“, meint er, „steht meine Familie hinter mir.“ Seine kleine Tochter hat schon mal ihr Sparschwein für wortundtat geschlachtet und seine Frau ist selbst in Moldawien aktiv, da sie als Russischsprachige sich vor Ort gut verständigen kann. Aber auf Dauer schlauche die viele Herumreiserei doch sehr, gibt er etwas nachdenklich zu. Ein Grund mehr für die Wilhelm-Kaisen-Schule, sich glücklich zu schätzen, dass wir trotz all der Hetzerei wieder einen Besuch wert waren.

P. Niehardt