Interviews des Profilkurses „ Literatur und Kommunikation“ zum Thema: Flüchtlinge in Bremen

Die Interviews wurden im März 2016 von den Schülern aus dem 9ten Jahrgang geführt von Lavenda, Melissa, Shejtim, Leana, Melike,Jason M., Godwin, Irem, Elis, Nunu, Patrick, Maxi, Justin, Fiona und Jessica.

 

Das Thema Flüchtlinge wird aktuell überall diskutiert. Immer mehr Menschen flüchten aus ihren Ländern, weil dort Krieg herrscht, ihr Leben bedroht ist und sie keine Perspektive haben. Viele wollen nach Deutschland. Auch in Bremen kommen immer mehr Flüchtlinge an. Da es nicht genug Wohnraum gibt, sind die Flüchtlinge schon in der Kaserne und in Zelten untergebracht. Frau Merkel, unsere Bundeskanzlerin, betont immer wieder, dass wir das schon schaffen. Aber ist das wirklich so? Wir wollen wissen, was die Bremer dazu sagen. Deshalb haben wir uns verschiedene Interviewpartner gesucht.

 

Lidl-Lohnt sich!

Wir, Lavenda (9c), Irem (9e) und Melissa aus der (9c) waren am Freitag, den 26.02.2016 im Lebensmitteldiscounter Lidl (lohnt-sich) in der Kornstraße, um eine Mitarbeiterin zum aktuellen Thema „Flüchtling in Bremen“ zu befragen. Die Mitarbeiterin möchte anonym bleiben. Obwohl in der Nähe des Geschäftes viele Flüchtlinge untergebracht sind, hat die Mitarbeiterin keinen Kontakt zu Flüchtlingen und sie fallen ihr im Geschäft auch nicht weiter auf. Auf unsere Frage, wie sie es fände, dass noch mehr Flüchtlinge nach Bremen kommen sollen, antwortete sie, dass es bereits sehr viele Flüchtlinge in Deutschland gäbe und  schon genug in Bremen seien. Dann wollten wir wissen, wie die Flüchtlinge ihrer Meinung nach integriert werden können. Sie sagte, dass die Integration der Flüchtlinge schwierig sei und davon abhinge, wie sich die Flüchtlinge hier verhielten. Die Mitarbeiterin sagte weiterhin, dass man Flüchtlinge in deren Heimatland versorgen sollte, aber nicht in Deutschland. Hilfe und Unterstützung dort fand sie schon wichtig.

 

Interview mit Frau Jacobs im Containerdorf

Wir haben im Rahmen des Profils ‚Literatur und Kommunikation‘ die Lektüre „ Krieg-stell dir vor, er wäre hier“ von J. Teller gelesen und uns mit dem Thema Flucht  beschäftigt.

Am Freitag, den 26.02.2016 gingen wir, Leana, Melike und Melissa in das Containerdorf am Niedersachsendamm, in dem z. Z. über 200 Flüchtlinge aus über 20 Nationen untergebracht sind. Wir interviewten die Projektkoordinatorin Laura Jacobs. Fr. Jacobs arbeitet seit 2 Monaten in dem Containerdorf. Sie ist unter anderem dafür zuständig, dass die Kinder in eine Kita kommen oder in die Schule gehen. Viele Geflüchtete wollen einen Deutschkurs machen, der von vielen Trägern aber auch intern von Ehrenamtlichen angeboten wird.

Wir haben gefragt, wie die Stimmung unter den Geflüchteten sei. Frau Jacobs erklärt, dass die Atmosphäre gut sei, es gäbe nur wenig Streit unter den Flüchtlingen. Viele Flüchtlinge möchten auch zurück in ihr Heimatland,………wenn dort der Krieg irgendwann vorbei sein sollte. Zurzeit jedoch interessieren sich die Flüchtlinge sehr für Bremen und seine Bürger, die Flüchtlinge seien sehr offen und möchten alles kennenlernen.

Als nächstes interessierte uns, ob es besondere Hausregeln gäbe. Frau Jacobs erklärte uns, dass ab 22 Uhr die Türen geschlossen werden, um die Flüchtlinge zu schützen. Natürlich hat jeder einen Schlüssel und kann jeder Zeit hinaus, das Abschließen diene lediglich dazu, dass von außen nicht jeder in das Wohnheim hinein kann.

Wir wollten weiterhin wissen, wie Frau Jacobs sich mit den Flüchtlingen unterhält. Sie antwortete uns, dass es sicherlich nicht einfach sei, mit Menschen aus 20 verschiedenen Nationen zu kommunizieren,  aber Gestik und Mimik sind oft eine große Hilfe um gute Beziehungen aufzubauen. Da schmerzt es auch, wenn jemand abgeschoben wird, selbst wenn Bremen eines der Bundesländer ist, das im Verhältnis zu anderen Bundesländern wenige Menschen abschiebt.

Unsere Abschlussfrage war die, wie eine gute Integration stattfinden kann. Frau Jacobs sagte, dass Kommunikation und Sprache eine wichtige Grundlage für Integration sei, aber auch, dass man auf Augenhöhe den Flüchtlingen entgegentrete.

 

Interview mit Frau Peltzer, der Klassenlehrerin der VK2

Im neuen VK-Kurs (VK2) kommt ca. die Hälfte der Schüler aus Syrien. Die Schüler sprechen z. T Arabisch miteinander, die Lehrerin spricht Deutsch, ganz selten auch Englisch mit ihnen. Einige der Schüler sind unbegleitet nach Deutschland gekommen, andere aber auch mit den Eltern oder Verwandten.

Als Erstes haben wir Frau Peltzer gefragt, was sie von den aktuellen Durchhalteparolen der Politiker wie z.B. ‚Wir schaffen das schon‘ halte. Sie hat darauf geantwortet, dass sie den Begriff „Durchhalteparolen“ problematisch fände, er sei ein bisschen zu kämpferisch. Natürlich sollte die deutsche Bevölkerung positiv motiviert werden und die Flüchtlinge willkommen heißen.

Dann wollten wir wissen, was sie davon halte, dass Flüchtlinge hier in Deutschland zunächst nicht arbeiten dürfen. Frau Peltzer sagte dazu, dass die Registrierung oft zu lange dauere und das sei nicht richtig. Natürlich müsse man zuerst den Status überprüfen, z. B. aus welchem Land jemand kommt und ob er eine Ausbildung hat. Flüchtlinge sollten schnell arbeiten dürfen und eine Beschäftigung bekommen.

Auf unsere dritte Frage, wie sie es fände, dass noch über 5000 Wohnungen in Bremen gebaut werden sollen, antwortete sie, dass der Wohnungsbau allgemein wichtig sei, für Flüchtlinge sowie auch für Studenten. Unter anderem kurbele der Wohnungsbau die Wirtschaft an.
Weiterhin interessierte uns, ob sie glaube, dass Bremen weitere Flüchtlinge aufnehmen könne.

Hier war sie ein bisschen skeptisch, weil Bremen jetzt schon sehr viele Flüchtlinge aufgenommen hat und viele Dinge ungeklärt sind, wie .z. B. die Unterbringung oder die Beschulung der Kinder. Es sei auch fraglich, ob die Erwachsenen in Betrieben und Unternehmen Arbeit finden können. Frau Peltzer sagt aber auch, dass andere Länder sehr viel mehr Flüchtlinge aufnehmen als wir und es schaffen.

Unsere letzte Frage war, wie Integration ihrer Meinung nach gelingen könne. Auf diese Frage antwortete Frau Peltzer, dass Sprache und Bildung ein wichtiger Baustein seien. Die Flüchtlinge sollten schnell Deutsch lernen und Bildung erfahren, um z.B. Abschlüsse machen zu können. Wichtig wäre es auch, dass die Flüchtlinge sich mit der deutschen Tradition und der Kultur beschäftigten.

 

Interview mit Herrn Götz, dem Schulsozialarbeiter

Die aktuelle Entwicklung mit den steigenden Flüchtlingszahlen in Bremen kommentiert Herr Götz wie folgt: “Ich glaube, das ist erst der Anfang: Es werden noch mehr Flüchtlinge kommen, wenn der Krieg nicht endet. Das ist der Spiegel der Weltpolitik“. Er findet es gut und richtig, dass die Wohnungsbaupolitik in Bremen reagiert und über 5.000 neue Wohnungen gebaut werden sollen. Bedenklich findet er, dass die Registrierung der Flüchtlinge so lange dauert und die Flüchtlinge in dieser Zeit keine Deutschkurse bekommen und nicht arbeiten können. Außerdem ist Herr Götz für den besonderen Schutz von Frauen und Kindern. Herr Götz glaubt, Integration kann nur gelingen wenn die Flüchtlinge arbeiten gehen können, wenn sie keine Angst mehr haben, wenn sie in Sportvereine gehen können und wenn sie die deutsche Sprache lernen können.

 

Interview mit den Schulleitern der WKS, Herrn Seipke und Frau Müller-Herling

Seit dem 1.2.2016 hat die WKS eine zweite Vorklasse(VK2). Der Grund ist, dass immer mehr Flüchtlingskinder kommen und die erste Vorklasse überfüllt ist. Bremen soll weitere Flüchtlinge aufnehmen.  Wir interviewten die Schulleitung am 26.2.2016 zu diesem aktuellen Thema. Auf die Frage, ob Deutschland in den kommenden Jahren noch mehr Flüchtlinge aufnehmen könne, sagte die Schulleitung, dass Deutschland ein Willkommensland sei und sich der Aufnahme von Flüchtlingen nicht versperren könne. Die Flüchtlingsströme könnte man allerdings begrenzen, indem man die Kriegsursachen bekämpft. Außerdem müsse man mehr Wohnungen bauen. Die Container sind nicht schön und es gäbe noch viele Flächen, wo man Wohnungen bauen könnte. Als wir sie zur Abschiebung befragten, meinten sie, dass es in manchen Fällen traurig sei. Teilweise lebten die Flüchtlinge schon seit Jahren in Deutschland, sie hätten sich eingelebt und in die Gesellschaft integriert.

Die Schulleitung verurteilt die Angriffe auf Flüchtlingsheime. Das sei sehr traurig! Sie hoffe, dass dies nur Einzelfälle seien. Dem gegenüber stünden viele gute Aktionen. Viele Menschen engagierten sich für die Integration der Flüchtlinge und geben z. B. ehrenamtlich Deutschunterricht. Dieses Angebot gibt es auch bei uns an der Schule. Zuletzt haben wir gefragt, wie Integration gelingen kann. Die Schulleitung glaubt, sie würde gelingen, wenn Flüchtlinge akzeptiert werden und wir sie willkommen heißen. Wir müssen den Flüchtlingen Ausbildungen und Sprachkurse anbieten. Beide Seiten würden davon profitieren.

 

Interview mit Herrn Buck, dem Kontaktpolizisten der WKS

Das Profil ‚Literatur und Kommunikation‘ aus dem 9.Jahrgang hat sich mit dem Thema Flucht und Flüchtlinge beschäftigt. Zu diesem Thema haben Elis und Shpejtim den Kontaktpolizisten der Wilhelm-Kaisen-Schule, Herrn Buck, befragt.

Unsere erste Frage war, ob sich die Zunahme der Flüchtlinge bei seiner Arbeit bemerkbar mache. Herr Buck sagte dazu, dass die Kriegsflüchtlinge aus Syrien nicht besonders auffielen .In Bremen sind es 50-80 Personen aus anderen Nationen, die strafrechtlich auffielen. Herr Buck hat selbst noch keine Flüchtlinge verhaftet, seine Kollegen hingegen schon.

Herr Buck glaubt, dass man Kriegsflüchtlinge aufnehmen sollte, viele bemühten sich und wollten etwas erreichen. Aber Europa ist nicht so groß, dass es alle Flüchtlinge aufnehmen kann. Die Fluchtursachen müssen beseitigt werden.

Ein großes Problem in Bremen ist es, alle Flüchtlinge unterzubringen. Herr Buck hält es daher für notwendig, dass neue Wohnungen gebaut werden. Der Wohnungsmarkt sei sowieso schon sehr eng und auch viele Studenten suchten eine billige Wohnung.

Außerdem könnte es schwierig sein, genügend Lehrer und Sozialarbeiter zu bekommen, die sich um die Flüchtlinge kümmern können.

Für das Gelingen von Integration sind seiner Meinung nach Deutschkurse und feste Unterkünfte Voraussetzung. Es wäre auch gut, wenn es genügend Jugendfreizeitheime und Sportangebote gäbe.