Schülerbericht: Eine Zeitzeugin erzählt

Am Freitag, den 21.01. um 14:40 Uhr, eine Viertelstunde nach dem Einläuten des Wochenendes saßen die Schüler des neunten und einige des achten Jahrgangs noch immer mucksmäuschenstill in der Aula. Zu Besuch war Michaela Vidlakova, die uns von ihrer Kindheit im Nationalsozialismus berichtete. Alle Schüler hörten betroffen und voller Anteilnahme zu. Es war ein sehr bewegender Vortrag.

Geboren wurde Frau Vidlakova in Tschechien. Da ihre Familie jüdisch war, kam sie im Alter von sechs Jahren in das Lager Theresienstadt. Die Lebensbedingungen dort waren sehr schlecht. Es war schmutzig, die Menschen litten unter Hunger, Krankheiten und schwerer Arbeit. Nur wenige Menschen überstanden das Lager. Michaela hatte Glück, weil ihr Vater als Tischler vor Ort gebraucht wurde. Deshalb kam sie nicht in eines der Vernichtungslager, sondern überlebte drei Jahre in Theresienstadt. Allerdings verbrachte sie ein Jahr im Krankenhaus mit mehreren schweren Krankheiten. In dieser Zeit lernte sie Deutsch von einem ebenfalls schwerkranken deutschen Jungen.

Im Juni 1945 konnte sie mit ihrer Familie zurück nach Prag ziehen, wo sie auch heute noch lebt. Erst als Frau Vidlakova 16 Jahre alt war, konnte sie zur Schule gehen. Sie begann in der 4. Klasse und ging später auf ein Gymnasium. Nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte, studierte sie Naturwissenschaften an einer Uni in Prag, um dann in einem medizinischen Forschungslabor als Biochemikerin zu arbeiten.

Ihre Eltern arbeiteten seit Beginn der 60er Jahre mit der „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ zusammen. Als sie starben, übernahm Frau Vidlakova diese Arbeit.

Maria Hansen, 9c