Eltern auf Probe – Ein anstrengendes, aber ziemlich interessantes Experiment

In der ersten Schulwoche haben wir, 7 Schülerinnen und Schüler der Klasse 10d, beim Baby-Bedenkzeit-Projekt mitgemacht, einem Kooperationsprojekt von Kriz e.V. und dem Amt für Soziale Dienste. In diesem Präventions-Projekt, genannt "Baby-Bedenk-Zeit Bremen", konnten wir mit einem lebensechten Babysimulator vier Tage und drei Nächte lang erleben, was es heißt, rund um die Uhr für ein Baby verantwortlich zu sein. Das Projekt soll ermutigen, darüber nachzudenken, was auf einen zukommt, wenn man Eltern wird. So dient es sowohl der Vermeidung von Teenagerschwangerschaften als auch der Vorbeugung von Kindesmisshandlung.

Was erlebe ich, wenn ich 24 Stunden für ein Baby sorge? Was fühle ich, wenn ein Baby zum Mittelpunkt meines Lebens wird? Wann wäre also die Entscheidung für eine Familie, der richtige Zeitpunkt sozusagen? All solche Fragen konnten wir während der Bedenkzeit besprechen. Für 4 Tage haben wir Tag und Nacht mit einem „Baby“ gelebt. Wir mussten es füttern, wickeln und besänftigen. So haben wir die Erfahrung gemacht, wie es ist, rund um die Uhr für ein Baby verantwortlich zu sein.

Nach einem Präsentationstermin kurz vor den Sommerferien in unserem Klassenraum entschieden wir uns für solch ein Experiment. Und schon nach den Ferien, also nur 9 Wochen später, waren wir -schuppdiwupp- Eltern. Das war mal eine kurze „Schwangerschaft“! :-)

In der Projektzeit (Montag bis Donnerstag) waren wir vormittags in der Schule, wo wir das Lernbüro zur Verfügung gestellt bekommen haben, um dort mit den Betreuern Frau Schöning und Herrn Volmich vom Kriz e.V. Themen wie Sehnsucht nach einem Baby, Verhütung, Schwangerschaft, Elternschaft, Erziehung und Säuglingspflege zu bearbeiten. Ansonsten waren wir sozusagen auf uns allein gestellt. Wir führten außerdem ein Tagebuch, in dem wir all unsere Erlebnisse, Gedanken und Gefühle festhielten.

Es war auf keinen Fall leicht, so viel Verantwortung zu tragen. Wie man das Baby halten musste, war total wichtig, denn der eingebaute Mikro-Chip registrierte und speicherte jede Bewegung, vor allem, was den Kopf und den Hals angeht. Natürlich schreit ein Baby auch nachts, da mussten wir durch! Durchschlafen war in diesen Tagen ausgeschlossen. Trotzdem fiel es ein wenig schwer, die Baby, denen wir ja auch Namen gegeben hatten, am letzten Tag wieder abzugeben. Irgendwie hatte man doch so etwas wie eine Beziehung zu dem „Säugling“ aufgebaut. Aber klar, endlich mal wieder „frei“ zu sein, endlich mal wieder schlafen zu können, endlich mal wieder an sich selbst denken können – das war dann natürlich auch großartig!

Wir danken dem Kriz e.V. für dieses tolle Projekt und können es nur weiterempfehlen. Das Projekt ist ein Angebot für 13- bis 18-Jährige Jugendliche in Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen und Freizeitheimen. "Baby-Bedenk-Zeit Bremen" wurde von 2003 bis Ende 2006 von der "Aktion Mensch" gefördert. Seit 2007 wird das Projekt von der Senatorin für Arbeit, Frauen, Gesundheit, Jugend und Soziales finanziert.
Weitere Informationen unter www.kriz-ev.de.
WKS, September 2015